Über mich

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Meine Oma sagte einmal:

Männer bleiben nicht bei einer Frau, weil sie schöne ****** oder einen wohlgeformten ***** hat. Männer bleiben bei einer Frau, die sich kümmert.

Sie wurde irgendwann in den frühen 1920ern geboren. In einem kleinen Dorf, irgendwo in Osteuropa. In dieser wunderschönen, archaischen Landschaft (und Kultur) wuchs sie auf – und vermisste sie bis zu dem Tag an dem sie starb. An diesem Tag hatte sie mehr als die Hälfte ihres Lebens in Deutschland verbracht. Dennoch war sie keine Deutsche. Aber auch keine Osteuropäerin. Sie war diese wunderbar-absurde Mischung aus zwei Kulturen, die manchmal nicht zusammen passen wollen. Und das hat mich geprägt.

Zurück zu diesem vollkommen ungroßmütterlichen Zitat.

Es war irgendwann in meinen späten Zwanzigern. Es war dunkel, kalt und nass. Ich saß im Auto und fuhr nach einer anstrengenden Geschäftsreise endlich vom Flughafen nach Hause. Ich rief sie an. Das war so eine Tradition bei uns. Und zur Tradition gehörte es, dass sie mich erst einmal zehn Minuten anbrüllte, warum ich mit Handy am Ohr fuhr. Die Existenz von Freisprechanlagen negierte sie zeitlebens hartnäckig. Großmütter würden in meiner Vorstellung nun nach der Geschäftsreise fragen oder meinetwegen der Stadt, die ich besucht hatte.

Nö. Meine Großmutter fragte ohne Umschweife was – UM HIMMELS WILLEN – der arme Kerl während meiner Abwesenheit gegessen hätte. Nur um sicherzugehen, fragte ich, ob wir über den Hund (der war vom Mann gefüttert worden) oder dem Mann (bei dem ich damals ehrlich gesagt nicht den blassesten Schimmer hatte was er aß – unabhängig davon ob ich auf Geschäftsreise war oder nicht) redeten.

Nachdem sie mit Brüllen fertig war – und das dauerte eine ganze Weile – sagte sie:

Früher war ich dankbar überhaupt Nahrung zu haben. Ich hab’ mir das mit der Hausfrau nicht ausgesucht. Ich koch’ nicht mal gern. Aber als Frau möchte ich für Euch was Gesundes auf den Tisch bringen. Das ist Luxus. Und Glück.

Und dann kam der Spruch mit den ****** und dem *****.

Nicht, dass ich ihr altmodisches Frauenbild teile. Nicht, dass mich interessiert warum Männer ihrer Meinung nach bleiben oder nicht. Ich meine, das ist immerhin auch die Frau, die davon überzeugt war, dass meine “schrecklichen Tätowierungen” ;-) böse Geister auf den Plan rufen. Nicht, dass ich plante eine gute Hausfrau zu werden.

Aber irgendwo in ihren Worten war eine Wahrheit, die sich nicht leugnen ließ.

Es *macht* glücklich sich um die Menschen zu kümmern, die man liebt. Auch und gerade kulinarisch.

Verdammt. Mit dieser Erkenntnis hat meine Großmutter mich verflucht: anders als sie bin ich eben keine Hausfrau. Und zwischen Geschäftsreisen, Präsentationen und Fachpublikationen dieses altbackene angestaubte antiquierte (ach verdammt!) wunderbare Wertesystem zu erfüllen … das war jetzt mein Fluch.

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Dies sind die Abenteuer einer tough-as-shit Karriere-Bitch, die in 12cm-Heels durch die Küche wirbelt und dabei nach Dior’s Poison duftet. Mit Smokey Eyes & roten Lippen stehe ich am Herd. Und mit Ziegenkäse-Resten auf der Versace-Clutch in einer Business-Präsentation.

Und trotzdem haben die traditionellen (nicht ganz westlich-orientierten) Werte meiner Großmutter mein Leben bereichert. Es macht mich glücklich zu wissen, dass – Karriere hin oder her – am Abend das Bett gemacht ist und ein warmes Essen auf den Mann wartet. Anders als meine Großmutter habe ich das Privileg einer Wahl. Ich kann das tun. Ich muss es nicht.

Ich glaube daran, dass es ein Zwischending geben kann. Deshalb lasse ich mir (wie so viele andere Frauen auch) immer wieder neue Tweeks & Perks einfallen, wie es eben doch gelingen kann: traditionelle Werte zwischen Flughafen, Sport (Großmutter, mir ist scheissegal was Männer dazu sagen oder auch nicht, den wohlgeformten … brauche ich für mich!) und Freizeit. Mit traditionellen Werten meine ich übrigens keineswegs nur, dass überhaupt etwas warmes zu Essen auf dem Tisch steht.

Eine Mahlzeit sollte mehr mit frischen, regionalen Zutaten als mit industrieller Fertigung zu tun haben.

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Apropos. Regional. Nachdem ich mir viele Jahre die Welt angesehen habe, bin ich seit diesem Jahr wieder in meiner Heimat. Dem Spessart. Überall im “Spechtswald” können jetzt Löcher, die von viel zu hohen Absätzen in den Boden gebohrt wurden, gesehen werden. Es ist ganz sicher nicht die Kö in Düsseldorf. Aber es ist Heimat. Und die Streifzüge durch die tiefen Wälder und weiten Täler inspirieren mich ganz wesentlich. Nicht nur kulinarisch. Aber auch. Und deshalb wird der Spessart sicher auch eine Rolle in diesem Blog spielen.

Die Oma hätte es gefreut. Leider ist sie im Jahr vor meiner Rückkehr verstorben.

Und jetzt geht es los. Mit Rezepten, Geschichten, viel zu viel Make-Up, unpassendem Schuhwerk und Osteuropa im Spessart. Versucht das mit den Schubladen erst gar nicht. Wenn ihr mich da reinsteckt, bekommt ihr sie nie wieder zu. Sinnbildlich. Nicht wörtlich. Ich mache schließlich Clean Eating ;-)

Das ist Salt, Pepper & Poison. The Divalicous Food Couture.

Love,
V.

PS. Achso. Ihr habt mich gefragt, ob ich diesen Blog deutsch oder englisch schreibe. Die Antwort ist einfach und erklärt auch, warum ich Eure Empfehlung, mich doch für eine Sprache zu entscheiden, in den Wind schlage: weder noch. Immer so, wie ich gerade Bock darauf habe. Oder anders gesagt: Kreativität hat für mich viel mit Sprache zu tun und ich möchte mir den Luxus offen lassen, Artikel und Rezepte in der Sprache zu schreiben, in der ich sie denke.

Szerencsére nem beszéltem nagyanyám anyanyelvén. (Lucky you, I don’t speak my grandmother’s native tongue)